Unter dem Radar.

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Jeder Mensch hat eine Persönlichkeit, eine gewisse Art durch die man ihn beschreiben kann. Manche Menschen sind Rebellisch, manche sind ruhige und zurückhaltend. Manche von ihnen haben Tattoos, Piercings oder engagieren sich in Sozialen Bereichen.

Sie sind individuell und haben einen Marker an dem man sie erkennen kann.

Ich beneide diese Menschen, die etwas sind, die durch ihre Art auffallen und im Kopf bleiben. Die auch mal auf die Kacke hauen und sich nicht alles gefallen lassen.

Menschen die wiederstand leisten und ihre Stimme erheben, wenn es an der Zeit ist.

Ich, ich bin nicht so ein Mensch. Ich habe keine Persönlichkeit an der man mich erkennen kann.

Ich leiste keinen wiederstand und fliege meist unter dem Radar. Ich möchte nicht auffallen und nicht anecken. Wenn ich mich beschreiben soll, fallen mir keine Worte ein. Ich bin ein Wesen das sich Situationen anpasst, das versucht nicht aufzufallen und wenn möglich keine Konflikte provoziert.

Ich besitze keine Persönlichkeit, denn diese wurde mir Zerstört – zerstört von Menschen die es lustig fanden auf meiner Identität herum zu treten.

Viele Jahre sind vergangen, viele Gespräche wurden geführt. Ich bin älter geworden und sollte längst darüber hinweg sein, aber das bin ich nicht. Immer wieder holt es mich ein. In meinem Alltag in Form von Panikattacken, wenn ich an der Kasse stehe oder in der S-Bahn bin und gefühlt alle Aufmerksamkeit auf mich gelenkt ist. Wenn alle mich anschauen und ich die Blicke auf meinem Körper spüre. Ich würde gerne raus gehen ohne dass ich Umwege laufen muss, weil dort zu viele Menschen sind. Ich spüre die Verspannungen jedes Mal in meinem Nacken und in meinen Schultern.

Ich würde gerne mehr Sport machen, ins Fitnessstudio gehen oder einfach die Laufschuhe anziehen und mich draußen müde laufen aber ich kann nicht, zu stark ist die Angst bewertet zu werden, diese negativen Blicke ertrage ich nicht und vor allem nicht die Aufmerksamkeit.

Mir wird oft gesagt, dass ich ein sehr offener Mensch bin und überhaupt nicht Schüchtern, das verwundert mich jedes Mal, weil das Bild was ich von mir habe, ein ganz anderes ist.

Aber wen wundert es, ich trage meist eine Maske, die erst fällt sobald ich alleine bin.

Zurzeit brodelt es ziemlich in meinem Kopf, ein Gewitter aus Gedanken das sich nachts in meinem Kopf entlädt, zu einer zeit in der ich schutzlos und hilflos bin – einfach ausgeliefert.

Es gibt so viele was mich beschäftigt. Ich bin nichts, nichts was mich ausmacht. Ich habe keine Merkmale ich bin… wie ein Chamäleon das sich seiner Umgebung anpasst.

Ich bin jetzt 25 und wenn ich zurück schaue auf mein Leben dann werde ich traurig. Nicht weil es einfach nur Chaotisch war und ich nichts auf die Reihe bekommen habe sondern weil ich meine Zeit verschwendet habe, weil ich mich immer nur darum kümmern musste wie es weiter gehen wird, während andere Partys gefeiert haben. Mädels Abende mit Pizza und Bier gab es bei mir nicht.

Wenn meine Mama mich gefragt hat was ich mir zu Weihnachten oder zum Geburtstag wünsche, gab es für mich nur eine Antwort: Freunde.

Ich bin ziemlich einsam, auch wenn ich einen tollen Job habe mit lieben Kollegen. Auch wenn ich einen Partner an meiner Seite habe aber ich bin einsam, weil mir etwas fehlt. Mir fehlen Menschen, Freunde mit denen ich meine Freizeit verbringen kann, mit denen ich Abenteuer erlebe. Natürlich gibt es auch 1-2 Menschen die ich zu meinen engsten Freunden zähle aber leider wohnen die Menschen die man sehr gerne mag immer etwas weiter weg und wissen selbst vor lauter Alltag nicht wo ihnen der Kopf steht.

Aber wie soll man auch neue Menschen kennen lernen, wenn einem Soziale Tätigkeiten Stress bereiten?

Das Leben ist manchmal nicht so einfach und ich weiß das es irgendwann mit der richtigen Hilfe besser werden wird. Es wird ein Kampf aber diesen Kampf werde ich gewinnen.

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Was lange währt wird endlich gut? – Wohl eher nur erträglicher.

Mein letzter Beitrag ist jetzt nun schon einige Monate her und ich dachte es wäre mal wieder Zeit für ein kurzes Update.

Das neue Jahr hat sehr Turbulent angefangen, gefolgt von einem Todesfall in der Familie.

Weiter ging es damit das ich immer noch keinen Job hatte und das Amt mir auch keine weiteren Zahlungen veranlassen wollte, weil ich mit meinem Partner in „eheähnlichen“ Verhältnissen leben würde.

Ich habe innerhalb einer Woche so viele Bewerbungen rausgehauen wie schon lange nicht mehr.

Mich verschlug es dann für kurze Zeit in einen bekannten Zoofachhandel, dort musste ich allerdings nach wenigen Tagen wieder kündigen, weil meine Gesundheit, also das was man als chronisch Kranker Gesundheit nennen kann 😀 sehr gelitten hat.

Ich hatte starke schmerzen und Durchfall, wobei das nicht die Colitis war, sondern eher meine Psyche die mir mitteilen wollte, dass ich dort nicht hingehöre.

Ich war einfach viel zu kommunikativ, fröhlich und bunt für den tristen Laden… ich könnte nicht Ich Selbst sein und das hat mich runtergezogen.

Zum Glück meinte das Schicksal es gut zu mir und ich bekam eine Stelle in einem tollen Store in Frankfurt, mit einem super Team und einer wundervollen Managerin.

Deswegen habe ich kurzerhand meine Kündigung angefertigt, dort abgeben und mich somit wieder in eine toll duftende, glitzernde und verrückte Welt begeben.

Anfang Mai stehe ich dann wieder mit beiden Beinen fest im Glitzer 😉

Ich bin dankbar für die tollen Menschen um mich herum, die mir in den letzten Wochen beistanden und in Zukunft hoffentlich auch weiterhin beistehen werden, bei allem was vielleicht noch so kommen wird.

Nach dem 2018 wirklich einen miesen Start hingelegt hat, hoffe ich doch sehr, dass es jetzt endlich mal bergauf geht.

Über meine Colitis kann ich gar nicht viel Berichten, sie weitestgehend Still, es sei denn ich ärgere sie, dann ärgert sie mich mal kurz zurück 😀

Ich bekomme immer noch Remicade (Inflectra/Infliximab) und bin auch immer noch sehr zufrieden damit, obwohl zurzeit meine Haut etwas am Spinnen ist.

Ich habe einen seltsamen Ausschlag am ganzen Körper, es sieht aus wie Schuppenflechte aber irgendwie auch nicht, werde wohl oder übel damit mal zum Arzt gehen müssen. YAY….

Zwischenzeitlich sah es danach aus als hätten sich Antikörper in mir Breitgemacht aber bei dem nächsten Blutbild waren sie wieder weg… also was das angeht bin ich gerade echt langweilig 😊

Aber ich bin ziemlich froh das der Dickie gerade so ruhig ist 😊

Ich habe jetzt endlich auch mal eine CED Selbsthilfegruppe besucht, hatte mir es schon länger mal vorgenommen aber irgendwie nie geschafft mich nach einer hier im Umkreis umzusehen.

Eine Betroffene die ich über Instagram kennenlernt habe, hatte mir erzählt, dass sie dorthin möchte und ich habe mich ihr kurzerhand angeschlossen.

Es tat auf jeden Fall mal gut andere Betroffene zu sehen und mit ihnen persönlich reden zu können, über diverse Internetseiten hat man natürlich zu dem ein oder anderen Kontakt, aber persönlich ist das doch nochmal etwas anderes. Es war auf jeden Fall nicht das letzte mal das ich dort war 😊

Ich kann es auch jedem nur Empfehlen es mal auszuprobieren 😊

Ich verabschiede mich jetzt mal wieder und hoffe das es allen meinen Lesern einigermaßen gut geht und alle dieses tolle Wetter genießen können.

Immer schön kämpfen meine Lieben, denn Aufgeben ist KEINE Option! 😉

Tschüssssiiiiiiii :-*

Marie

 

 

2017 geh nach Hause du bist betrunken!

31.12.2017

Das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu, auch Ich möchte noch einmal diese Jahr Revue passieren lasse.

2016 endete schon nicht schön, meine Mutter hatte zwei Schlaganfälle, die zum Glück gut ausgingen.

Einige Wochen später, direkt nach Weihnachten kam sie ins Krankenhaus und wurde an der Halsschlagader operiert, da sich dort ein ca. 4cm größer Pfropfen gebildet hat, der auch für die Schlaganfälle verantwortlich war. Die Operation trug wie jede Operation gewisse Risiken mit sich.

Es verlief zum Glück alles gut. Silvester also den Jahreswechsel verbrachte sie im Krankenhaus.

Genau heute vor einem Jahr, ein Tag nach ihrer OP habe ich sie besucht und mir den Pfropfen angesehen, Wahnsinn, wenn der gewandert wäre… ich möchte mir das gar nicht vorstellen.

Jetzt kann ich beruhigt sagen das es ihr ein Jahr später gut geht, sie geht halbjährlich zur Kontrolle und es ist alles bestens. ❤

Das Jahr begann mit schmerzen, Ängsten, tränen, Ungewissheit und unzähligen Arzt besuchen.

Im Februar musste ich zur ersten Magen-/Darmspiegelung anrücken.

Ich hatte so wahnsinnige Angst, vor allem vor dem Ergebnis der Spiegelung.

Diagnose COLITIS ULCEROSA.

Es traf mich wie ein Faustschlag mitten ins Gesicht.

Viele Medikamente wurden an mir ausprobiert, Cortison formte meinen Körper nach seiner Lust und Laune, doch es half nicht gegen die Entzündung in meinem Darm.

Mir wurde dieses Jahr so viel Rektal eingeführt, mittlerweile ist es Gewohnheit für mich auch das befummeln von fremden Leuten musste ich über mich ergehen lassen.

So ist das, wenn man CED Patient ist.

Mitte des Jahres gab es einen kleinen funkten Hoffnung.

Da kein Medikament angeschlagen hat, meinte mein Arzt das es vermutlich doch keine Colitis Ulcerosa ist, vermutlich war es doch nur eine normale Entzündung bzw vielleicht vertrage ich gewisse Nahrungsmittel nicht. Nach dem ich meinem Arzt ziemlich auf die Pelle gerückt bin hat er sich schlussendlich für eine weitere Darmspiegelung entschieden.

Zwischen der ersten und der zweiten lagen knapp 4 Monate.

Diesmal war er sich allerdings sehr sicher das es doch eine chronische Erkrankung ist.

Das erschreckende dabei war, dass mein Darm sich weiter entzündet hatte, trotz Cortison war die Entzündung vom Enddarm hoch gewandert und hat sie linke Seite des Dickdarms eingenommen.

Dann fingen wir immer Sommer endlich mit einem neuen Medikament an.

Inflectra/Infliximab/Remicade.

Von der ersten Infusion an ging es mir besser. Die schleimigen/blutigen Ausscheidungen waren weg.

Kaum ein gesunder Mensch kann sich vorstellen wie es ist nicht mehr Pupsen zu können weil’s sonst in die Hose geht, oder man nachts nicht schlafen kann, weil sobald man sich umgedreht hat wieder die Flüssigkeit raus wollte.

Manche Nächte habe ich deswegen auch der Toilette verbracht.

Für mich war 2017 kein gutes Jahr.

Es gab so viele dunkle Tage, so viele Niederschläge, ich musste kämpfen obwohl mir dafür die Kraft fehlte.

Ihr war im Einzelhandel bei LUSH angestellt, ich mochte meinen Job doch meine Erkrankung ließ mich nicht mehr arbeiten.

Eine Krankmeldung nach der anderen folgte.

August 2017 endete mein Vertrag dort, an eine Übernahme war nicht zu denken.

Die Monate davor erhielt ich Krankengeld, dies reichte vorne und hinten nicht.

Seit August bin ich nun Arbeitslos gemeldet, es nagt extrem am selbstbewusste sein, ich befinde mich so Tief am Boden wie schon lange nicht mehr.

Als ich August 2016 den Job bei LUSH bekam wollte ich mich körperlich und geistig auf den Einstellungstest bei der Polizei in Bayern vorbereiten.

Aber mir ging es zu schlecht. Schmerzen, Fieber, langanhaltende Durchfälle etc ließen mich ausbluten.

Ich aß nichts mehr und nahm immer mehr ab.

Dann zog es mich immer weiter runter.

Anfang des Jahres war es dann mit dem Traumberuf vorbei.

All die Jahre hatte ich nur ein Ziel, einen Wunsch, einen Traum und der zerplatzte innerhalb weniger Sekunden.

Chronisch Kranke nimmt die Polizei leider nicht.

Seitdem hänge ich in der Luft, ich weiß nicht wie es weitergehen soll.

Ich isolierte mich in meiner Wohnung, das Thema Zukunft ist ein schwieriges Thema.

Mach dir mal mit 24 Jahren Gedanken darüber was dich sonst noch so interessiert, welchen weg du noch gehen könntest. Zusammen mit einem vollgepackten Rucksack voller Ängste die sich immer mehr in mein Leben schleichen.

Ich mache zurzeit mehr Rückschritte als Fortschritte.

Auch für meine Beziehung war es nicht immer einfach, bzw es ist nicht einfach.

Hab mal einen Partner der krank ist und du kannst ihm nicht helfen, einen Partner der nichts auf die Reihe bekommt, einen Partner der dir nur auf der Tasche liegt, der einem immer wieder neue Hoffnung macht und dann den Schwanz einzieht.

Wenn ich hier so sitze, mit Musik auf den Ohren und schaue aus dem Fenster und überlege mir wie dieses Jahr war, dann fällt mir nur ein Wort ein: SCHEISSE!

Meine momentane Stimmung ist gereizt-depressiv. Ich möchte alles und jeden an meckern.

Ich bin so froh, wenn 2017 vorbei ist, aber mal ganz ehrlich… wieso sollte 2018 so viel anders sein? Das einzige was sich ändern wird, ist dass es wieder von vorne losgeht. Frühling, Sommer, Herbst, Winter… Happy 2019! Alle Jahre wieder derselbe Mist.

2016 sah’s ich auch da uns sagte mir: Marie, 2017 wird besser! Tja, was war? – Scheiße war’s 😀

Ich mache mir eigentlich nichts aus Vorsätzen aber für 2018 nehme ich mir vor mich mehr zu trauen, nicht immer an mir zu zweifeln, nicht jedem gefallen zu wollen und mehr ich selbst zu sein.

Und ich möchte bitte weniger CED in meinem Leben, von morgens bis abends immer wieder das selbe Thema, da ist es doch kein Wunder, wenn man irgendwann nicht mehr richtig Tickt.

2018, ich wünsche mir von dir mehr Goldmarie als Pechmarie.

Schicksal? Bist du es?

Balouli

Im Leben passiert alles aus einem bestimmten Grund.

Wir gehen einen anderen weg als gewohnt, aus irgendeinem bestimmten grund und entdecken Gebäude, Pflanzen, Läden die wir sonst, ohne diesen Grund nicht entdeckt hätten. Sei es ein Haus das schön beleuchtet ist oder ein kleines Café in das wir vielleicht nicht gegangen wären.

Alles was wir im Leben tun oder auch nicht tun ist unsere eigene Entscheidung, nur wir müssen mit der Entscheidung – der neuen Situation umgehen können.

Wir müssen uns auf neue Wege einlassen, mancher weg ist Steinig doch nur wir haben es in der Hand uns das richtige paar Schuhe an die Füße zu schüren um diesen weg zu Meistern.

Anderen Urteilen über uns, weil sie manches nicht verstehen können – wir fühlen uns dadurch oft angegriffen aber das müssen wir eigentlich gar nicht.

ES IST DEIN LEBEN. DEIN WEG.

Manche belächeln mich, wenn ich sage, dass ich versuche das zu machen, was mich glücklich macht.

Aber ist es denn so wichtig immer nach Erfolg zu suchen, immer irgendetwas zu machen, hauptsache man macht irgendwas? – Es ist wichtiger, dass DU glücklich bist!

Wenn dir dein Leben gefällt, wenn du das tust was dich zufrieden stellt, dann ist das tausendmal mehr wert als das, was du hättest haben können.

Ich habe so oft Entscheidungen im Leben getroffen die für andere nicht verständlich waren, manche Entscheidungen bereue ich bis heute und trotzdem weiß ich, dass nach jeder schmerzhaften Entscheidung immer wieder etwas Positives auf mich gewartet hat.

Ich bin ein Mensch der immer einen Dickkopf hat, wenn ich etwas nicht für richtig halte dann mach ich das auch nicht. An mir sind schon so viele Menschen gescheitert, sei es mit lauten oder sanften Worten.

Mein Bauchgefühl und ich arbeiten eng zusammen, ich höre auf seine Töne und versuche sie zu deuten. Mein Bauchgefühl lügt meistens nicht.. das haben mir viele Situationen/Entscheidungen bewiesen.

Viele Tränen sind geflossen, viele laute Worte flogen durch den Raum – meistens wegen der Verständnislosigkeit der Menschen.

Aber dem ist nun mal so, am Ende Zählt, dass man selbst glücklich ist und morgens mit einem lächeln im Gesicht aufwacht und sich auf den Tag freut. Natürlich wird das nicht immer so sein, schließlich gehören auch verregnete Montage oder ein ordentlicher Mittelfinger-Mittwoch zu einem normalen Leben.

Also denkt bitte immer daran, nach Regen kommt Sonne und egal welchen weg ihr geht – oder auch nicht geht, es ist eure Entscheidung, bleibt immer auf dem Pfad denn es ist EUER LEBEN! ❤

Ich glaube, ich befinde mich jetzt auf dem richtigen Weg…

Ich wünsch euch eine besinnliche Vorweihnachtszeit =)

 

 

 

und dann wurde sie krank….

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Bild Quelle Google

 

Guten Tag, hier ist die Melly, Maries co-Aufreger in spee.

Ich lernte Marie über die Arbeit kennen. Zuerst war sie einfach eine Kollegin, die mir die Schichten eine ganze Kante schöner und leichter gemacht hat, dann wurde sie zu meiner Freundin.

Als ich Marie kennen lernte, war sie schon krank, aber das wusste natürlich keiner. Auch sie nicht. Als es auf das Weihnachtsgeschäft zuging, ging es Marie immer schlechter. Immer öfter kam sie nicht zur Arbeit und wenn sie da war, sah sie nicht gut aus. Blass, müde und dünn. Ich bekam mit, das Marie in ihren Pausen nichts aß. Auf meine frage wie es ihr den ginge, bekam ich oft eher ausweichende Antworten wie: „Ach ich hab nur ein bisschen Bauchschmerzen.“ Auf meine Frage warum sie nichts aß antwortete sie mir: „Ich habe einfach keinen Hunger.“

Da ich aber von Natur aus ein nerviger Mensch bin, hörte ich nicht auf zu fragen. Irgendwann hatte ich es erfolgreich aus ihr herausgequetscht:  dass sie oft nicht nur Bachschmerzen, sondern auch Durchfall hätte. Für diese ehrliche Antwort, die noch detail-frei war, bekam ich auch direkt erstmal eine Entschuldigung. Als ob wir alle keine Verdauung hätten. Kacken ist ausschliesslich Männern vorbehalten und Durchfall ist ein mythos.

Ich konnte es natürlich nicht lassen und habe nicht nur weiter gefragt, sondern auch meinen ungefragten altklugen Senf zu allem abgegeben. So kam auch ich an mit diversen nutzlosen, aber gut gemeinten Ideen um dem mysteriösen Durchfall Herr zu werden. Ich riet ihr zu einer Ausschlussdiät, um eine mögliche  Unverträglichkeit zu entdecken. (Ich hatte auf diese art und weise meine Lactoseintoleranz gefunden).

Ich weiss nicht wann sie es mir sagte, aber irgendwann erzählte sie mir, dass sie quasi packungsweise Durchfallmittel nahm um den Arbeitstag irgendwie zu überstehen. Und auch bei einer 8 stunden schicht nichts aß um einer möglichen Apokalypse in ihrem Verdauungstrakt zu entgehen.

Nur blöd das ihrem Darm das ziemlich egal war ob sie gegessen hatte oder nicht.

Irgendwann erzählte Marie mir von all ihren unschönen Symptomen, gemischt mit ganz vielen Entschuldigungen. Das stimmte mich traurig und wütend zugleich.

Es machte mich traurig, dass sie befürchtete mich in irgendeiner art und weise anzuekeln und damit zu vergraulen ( Sorry marie, aber da muss noch mehr passieren) und es machte mich so unglaublich wütend das wir in einer Welt leben, in der etwas so simples wie die Verdauung und Probleme mit dieser, derart stigmatisiert werden, das du dir mehrmals überlegen musst ob du der Person vor dir sagen kannst wie es dir wirklich geht und was du eigentlich hast.

Jedenfalls bekam ich mit wie marie quasi bei ihrem artz einzog und dieser immer ratloser wurde nachdem keine seiner behandlungen Erfolg zeigte. ( Die schönste Diagnose die er wohl mal stelle war: Alles in Ihrem Kopf, machen sie sich weniger gedanken, dann renkt sich das alles schon wieder ein. Danke! Für nichts!) Schliesslich kam die Kolonoskopie und die damit verbundene Angst. Und dann die Diagnose: Colitis ulcerosa.

Als Marie mir sagte was man ihr da diagnostiziert hatte, hatte ich absolut keine Ahnung was das ist. Von Morbus Crohn hatte ich mal gehört, aber auch darüber wusste ich nur das es eine  Darmkrankheit ist. Diese beiden Begriffe hab ich überhaupt nicht in Verbindung gebracht. Ich weiss noch wie erleichtert Marie war, als sie mir sagte das sie endlich wisse was sie habe. Und dann, Stunden später, dass sie mir sagte was sie hatte.

Wie gesagt ich bin ein nerviger Mensch und gerne informiert. Also begab ich mich an meinen Rechner und wanderte durch das Internet um mich zu informieren. Und je mehr ich las, desto schwerer wurde mein Herz: chronisch, entzündlich, gesteigertes Krebsrisiko, das Risiko das die Colitis irgendwann ein Crohn wird. Die Möglichkeit, Anfang 20 einen künstlichen Darmausgang zu bekommen.

Ich habe alles gelesen, jeden Eintrag den Google mir ausspuckte: Zeitungsartikel, Blogs, Wikipedia, Fachzeitschriften. Alle gruseligen Details, ich wollte alles wissen. Aus einem simplen Grund: von mir sollte sie kein unqualifiziertes dummes Geschwätz mehr hören und ich würde mir alles anhören was sie beschäftigte. Den letzten pro-Tip den Marie von mir bekam war: kauf dir feuchtes Toilettenpapier vor deiner Darmspiegelung.

Denn das ist ein Thema über das ich mich lange, semi-künstlich und leidenschfatlich aufregen kann: Leute die keine Ahnung haben, wollen dir erzählen wie du mit X, Y und Z umzugehen hast. (Ich fürchte dazu muss ich irgendwann einen weiteren Betrag schreiben, dieser hier wird sonst endlos.)

Ich nahm mir vor, Marie nichts von meinem Internet-wissen zu sagen, nicht nur weil sie vermutlich selbst ihre Krankheit ausgiebig gegoogelt hat, sondern auch das letzte was man nach so einer Diagnose braucht ist jemand der um die Ecke kommt und sagt: „Ich hab im Internet dieses und jenes gelesen, achja pass mal auf, du könntest evtl. Krebs bekommen!“

Stattdessen machte ich mich dazu bereit mich mit Pompoms an die Seitenlinie zu stellen und Marie anzufeuern während sie sich weiterhin mit ihrer Krankheit befasst. Ihr absolut erstgemeint zu sagen, dass sie meine Telefonnummer hat und sie mich anrufen kann wenn sie nicht weiss mit wem sie reden soll. Einfach da zu sein. Wenn keiner mit ihr über Kacke reden will, dann werde ich mit ihr über Kacke reden. Und über Blut. Und über Schleim. Und über alle wiederlichen Kleiningkeiten die eine Diagnose wie Colitis Ulcerosa so mit sich bringt. Nichtnur die körperlichen Gemeinheiten, die Medikamente und Krankheit im Gepäck haben, sondern auch die seelischen.

Ich weiss das ich nicht viel tun kann, aber ich hoffe ein bisschen, dass es Hilft zu wissen, dass da jemand ist der gewillt ist zuzuhören.

Ich bin sehr froh das Marie ein Medikament gefunden hat, was bei ihr Anschlägt, auch wenn die Suche länger war als geplant und das Cortison ein absoluter reinfall war.

Ich bin froh, dass du den Mut gefunden hast mit mir über deine Krankheit zu reden und mir die möglichkeit gegeben hast deine Freundin zu sein.

„Falls irgendwo irgendjemand gerade das Drehbuch meines Lebens schreibt: Jetzt wäre der perfekte Zeitpunkt für die glückliche Wendung!“

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Nach dem Vorstellungsgespräch folgte der Hospitationstag.
Dieser Tag verlief sehr gut, ich hatte ein gutes gefühlt und war mir eigentlich Sieges sicher.
Doch einige Tage später kam der Anruf der mich erstmal von meinem Thron geschubst hat.
„Leider haben wir uns für jemand anderes entschieden.“
Ich musste während des Telefonats gegen die Tränen kämpfen die in meine Augen schossen.
Der Kloß in meinem Hals erschwerte mir das reden – ich wollte nur noch auflegen und weinen.
Der ein oder andere mag jetzt zurecht denken, dass es doch „nur“ ein Job war.
Das nehme ich auch niemandem übel, allerdings verläuft mein Leben so:
Ich kämpfe für etwas, was ich nicht erreichen kann, alles was ich anpacke funktioniert nicht.
Sowas wie gute Nachrichten kenne ich kaum, ich sehe das Leben von anderen, dort funktioniert scheinbar alles reibungslos. Und dann blicke ich auf mein Leben, es besteht aus Fallen und wieder aufstehen. Ich weiß nicht woran es liegt, vielleicht will eine höhere Macht, dass ich auf einen anderen Weg komme, vielleicht habe ich auch einfach nur Pech.
Oder ich habe jemanden mal sehr verärgert und diese Person baute sich daraufhin eine Voodoo Puppe mit der man mich Quälen kann.
Ich weiß es nicht, ich weiß nur das mir langsam die Energy ausgeht…
Nach dem Anruf musste ich mich erstmal ordentlich von innen desinfiziert und einige Tage in Selbstmitleid baden, aber jetzt bin ich wieder zurück!
Ich frage mich nicht länger wieso, weshalb, warum sie mich nicht genommen haben, es ist mir auch egal, ich gebe so schnell nicht auf und richte meinen Blick wieder nach vorne!
Irgendwann werde ich bestimmt mal Glück haben, nicht heute, vielleicht auch nicht morgen aber ich weiß ganz genau, dass irgendwo ein kleines Stückchen Glück auf mich wartet, auch wenn es nur in der Form eines leckeren Donuts ist.
Haltet die Ohren Steif ❤

Manchmal muss man vom Weg abkommen…

Was mögen Sie denn an Kindern?

„Vor allem ihr zartes Fleisch!“

Donnerstag das schlimmste Vorstellungsgespräch aller Zeiten abgeliefert, ich war mir hundert Prozentig sicher, dass ich freitags keinen Anruf bekommen werde.
Freitag 20.10.2017 gegen 10 Uhr – mein Handy klingelt.
Ich renne zum Handy auf der Anzeige steht „Anonym“.
Wie soll ich das Telefonat entgegennehmen? – mit Anonym ruft sonst nur mein Freund von der Arbeit an, vielleicht ist was passiert?
Wenn ich mich mit meinem Nachnamen melde und mein Freund dran ist macht er sich nur wieder über mich lustig, wenn es die Dame ist bei der ich das Gespräch hatte und ich mit „Hey Schatz“ dran gehe dann kommt das bei der Dame nicht so gut an. ;-P
Ich geh also ans Telefon und sag „Hallo?“ – Es war wirklich die Dame bei der ich das Vorstellungsgespräch hatte.
Hallo Frau *tüüüt* ich würde Sie gerne am Dienstag zum Probearbeiten einladen, haben sie da Zeit?
Ich hätte im Leben nicht gedacht das ich doch irgendwie überzeugend war, vielleicht lag es an meinem umwerfenden Charm oder an meinem Zahnpastalächeln aber irgendwas scheint ihnen wirklich an mir gefallen zu haben, zum Glück!
Dienstag heißt es dann Gas geben und die Leute von mir überzeugen 😊
Ich möchte den Job nämlich wirklich haben! 😊
Beworben habe ich mich übrigens über den Arbeiter-Samariter-Bund bei einer Grundschule hier in meiner Nähe, die suchen nämlich jemanden für ihre Schülerbetreuung bzw. Nachmittagsbetreuung.
Für mich war klar, dass ich nicht mehr zurück in den Einzelhandel möchte.
Nach meiner ein jährigen Ökoprostitution habe ich davon erstmal die Schnauze voll… *sorry*
Und mit Kindern kann ich eigentlich echt gut, besser als mit so manchen Erwachsenen.^^
Ich denke auch das dieser Job perfekt für meine Krankheit ist, ich habe geregelte Arbeitszeiten, keinen Druck und der weg ist auch nicht mehr so weit bis zur Arbeit.
Ich bin jetzt schon ziemlich aufgeregt, aber ich denke das ist vollkommen normal.
Am Samstag hatte ich Besuch von meinen beiden Nichten, beides Grundschüler, da habe ich schon mal abgecheckt was die Jugend von heute so „cool“ findet 😀
Ich werde im Laufe der Woche berichten wie es war 😉
Ansonsten wünsche ich euch einen guten Start in die neue Woche und lasst euch nicht ärgern! ❤

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